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Antwort zur Diskussion um Arbeit

Ich wollte eigentlich nichts mehr hierzu schreiben…

Wo man auch in die Geschichte der Menschheit blickt, versuchten die Leute, sich die Arbeit und damit das Leben einfacher zu machen: Hierzu kamen über die ganze Welt verteilt oft Sklaven zum Einsatz, weil sie (vergleichsweise) billig waren und weil die Menschen das damals moralisch verantworten konnten. Die Sklaven waren zum größten Teil Kriegsgefangene oder eben gehandelte Sklaven von außerhalb Griechenlands. Ich bin mir nicht sicher, aber es wäre nachvollziehbar, dass die Sklaverei so akzeptiert war, weil die Griechen alle nicht-griechischen Völker als „Wilde“ bzw. „Barbaren“ betrachteten. Es gab im antiken Athen KEINEN Haushalt ohne mindestens einen Sklaven oder eine Sklavin ( http://de.wikipedia.org/wiki/Sklaverei_im_antiken_Griechenland ). Sie waren der Grundstein der griechischen Wirtschaft, denn sie haben den größten Teil der Arbeit verrichtet. Bei den Griechen selbst war körperliche Arbeit verpönt. Wer es konnte, ging geistigen Tätigkeiten nach: Politik, Sophistik (wobei dies der verachtenswerte Teil geistiger Arbeit ist), Philosophie. Und gerade die Philosophie war es, die Griechenland bedeutsam machte: als Mutter aller Wissenschaften in Europa. Und vor welchen Hintergründen sind die Werke entstanden? Vor dem Hintergrund der Sklaverei könnte man jetzt sagen. Man könnte aber auch sagen, dass sie aus der Nichtnotwendigkeit körperlich schwerer Arbeit entstanden ist. Das Nachdenken über die Welt wurde den griechischen Philosophen in diesem Umfang ermöglicht, weil sie nicht arbeiten mussten. Im antiken Griechenland sind viele der heutigen Wissenschaften begründet worden: Mathematik, Physik, Astronomie, Biologie, Chemie, … und alles von Leuten, die nicht arbeiten gegangen sind, sondern den ganzen Tag über das, was die Welt im Innersten zusammenhält, nachgedacht haben.

 Schaut man weiter, so waren sehr viele, wenn nicht sogar alle großen Reiche der Weltgeschichte auf Sklaverei gebaut: Rom, Spanien, das Vereinigte Königreich, die Vereinigten Staaten von Amerika. Und wenn es keine Sklaverei gab, dann wenigstens Formen der Zwangsarbeit, häufig von Gefangenen aller Art geleistet (z.B. Deutsches Reich, Sowjetunion). Heute haben wir moderne Formen der Sklaverei (Anmerkung: hier fehlen einige Ausführungen, können bei Bedarf nachgeliefert werden): Thailändische Frauen nähen auf Containerschiffen Turnschuhe zusammen, damit ihre Familie am Abend eine Schale Reis zu essen hat. Afrikanische Kinder kloppen tagein, tagaus weggeworfene technische Geräte auseinander, um die darin enthaltenen Metalle zu verkaufen, die dann wieder eingeschmolzen werden, um neue technische Geräte zu produzieren, die dann wieder irgendwann weggeworfen werden. Und warum das ganze? Weil wir es uns leisten können. Warum bauen chinesische Arbeiter iPhones zusammen? Weil es (im Moment noch) teurer wäre, es eine Maschine machen zu lassen. Warum haben vor hundert Jahren noch zig Leute ein einziges Feld beackert? Weil es noch keine Maschine gab, die es für sie getan hat. Der technische Fortschritt sollte die Menschen von der Arbeit befreien. Die Menschheit ist diesem Ziel mit der fortschreitenden Entwicklung immer näher gekommen. Es gibt sogar Maschinen, die im Prinzip alle möglichen anderen Maschinen bauen können (3D-Drucker). Im produzierenden Wirtschaftssektor ist menschliche Arbeit jedenfalls immer seltener geworden und diese Entwicklung wird sich höchstwahrscheinlich und hoffentlich fortsetzen.

Hier noch eine kleine Anmerkung: Viel von dem was produziert wird, hält nicht lange. Der Grund ist häufig, dass das gewollt ist. Zu Anfang des 20. Jahrhunderts machte ein amerikanischer Fabrikant den Vorschlag, Käufer von technischen Geräten zu verpflichten, diese nach einer gewissen Zeit zurückzubringen – ob sie nun defekt waren oder nicht – und ein neues zu kaufen, um den Konsum am Laufen zu halten (Ich bin mir nicht mehr sicher, wo ich das gesehen habe, aber ich glaube es wurde kurz in der Doku „Bulb Fiction“ erwähnt – sehr empfehlenswert). Da ist unsere jetzige Lösung doch viel praktischer: Man baut Sollbruchstellen ein, lässt qualitativ minderwertig produzieren oder stellt Dinge her, deren einziger Zweck es ist, andere Dinge kaputt zu machen. Sei es also ein LCD-Fernseher, eine Jeans oder ein Panzer – viele Produkte sind zu frühzeitigem Vergehen verdammt. Eine mögliche Schlussfolgerung daraus wäre, Produkte herzustellen, die so lange wie möglich halten. Das würde Arbeitskosten und jede Menge Rohstoffe sparen, aber eben auch langfristig Profite schmälern.

Kommen wir zum Dienstleistungssektor, wo jedenfalls in Deutschland die meisten Menschen arbeiten. Viele von diesen Arbeitsplätzen könnten mit relativ wenig Anstrengung überflüssig gemacht werden: Steuerberater gibt es nur, weil unser Steuersystem so kompliziert ist. Essenslieferanten gibt es, weil viele Leute keine Zeit zu kochen haben, da sie diese Zeit damit verbringen, Geld zu erwirtschaften, um sich Essen liefern zu lassen. Leute in Call-Centern, die anderen Leuten Produkte andrehen wollen, Werbemenschen generell, die nichts anderes tun, als Leuten etwas aufzuquatschen, was sie im schlimmsten (aber leider häufigen) Fall nicht brauchen. Lobbyisten, die für ein pervers hohes Gehalt im Prinzip nichts anderes machen als eben genannte Werbemenschen, nur mit schlimmeren Folgen. Bänker, die mit ausgedachten Finanzprodukten ausgedachtes Geld schöpfen und zerstören, was aber irgendwie dummerweise Einfluss auf die Realwirtschaft hat. Anwälte, die sich darauf spezialisiert haben, Urheberrechtsverstöße anzuzeigen… Was ich ausdrücken will ist, dass es so viele Arbeiten gibt, die entweder generell unnötig wären, oder unnötig würden, würde nicht so viel gearbeitet werden: Ärzte, die Menschen behandeln müssen, weil diese aus Angst ihren Arbeitsplatz zu verlieren, krank zur Arbeit gegangen sind und somit diese Erkältung verschleppt haben, oder Menschen, die einen Unfall auf dem Weg zur Arbeit hatten. Autoreparaturwerkstätten, in denen die Unfallautos dieser Leute repariert werden.

Was den Antrieb zur Arbeit angeht, möchte ich kurz etwas zitieren, was mich an den Anfang meiner Ausführungen zurückbringt (wie schön :D): „Die Tragik der vermiedenen Revolte [im Zuge neuerlicher Massenarbeitslosigkeit] besteht weniger in der reflexhaften Überanpassung des/der Einzelnen, die unter dem Aspekt realer sozialer Gefährdung nachvollziehbar erscheint, sondern in dem Mangel an „denkbarer Alternative“. Fatal ist der Utopieverlust, die Armut an Vorstellung und Idee einer gesellschaftlichen Alternative, die den Menschen ein anderes Leben und nicht zuletzt dem Faktor Arbeit einen anderen Sinn gäbe. Arbeit ist entfremdete Arbeit, solange sie nicht selbstbestimmt ist [hierzu empfehle ich jedem, sich mit den Begriffen intrinsische und extrinsische Motivation auseinanderzusetzen], solange der Profit zwischen die Menschen und ihr Produkt gestellt ist. Schaffen und kreativ zu sein, ohne profitabel sein zu müssen [, wie die antiken griechischen Denker], eine Alternative, die sich die meisten nicht leisten können. Um Leben zu können, musst du dich verkaufen, und wenn dir der Platz genommen wird, an dem dieser Verkauf stattfindet, droht der Absturz. Das macht erpressbar. Und kaum ein Bereich, an dem wir nicht erpresst werden: Ökologische Desaster wie Großflughäfen, Atomkraftwerke, Automobilbau werden unter dem Argument der Arbeitsplätze durchgedrückt. Schlechte Arbeitsbedingungen, Lärm, Schmutz und Stress werden ertragen aus Angst, den Platz der täglichen Schinderei zu verlieren. Stundenlange Fahrten von und zum Arbeitsplatz, Schichtarbeit früh, spät und nachts – alles wird in Kauf genommen, nur um sich weiter verkaufen zu können.“ (aus: Lafargue, Paul: Das Recht auf Faulheit. Trotzdem Verlagsgenossenschaft, Frankfurt 2010.)